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Jahrbuch Stadterneuerung

 

Stadterneuerung und Festivalisierung

 

am Donnerstag, 10. Juni 2010, 10.00-18.00 Uhr
und Freitag, 11. Juni 2010, 9.30-14.30 Uhr

im Zentrum für umweltbewusstes Bauen ZUB der Universität Kassel

Ausführliche Tagungsinformationen, Programm & Anmeldung bis 21. Mai unter www.uni-kassel.de/fb6/ssu

Flyer zum herunterladen

Konzept

Die Tagung zum Jahrbuch Stadterneuerung wird vom Fachgebiet Stadterneuerung•Stadtumbau am Fachbereich Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung der Universität Kassel in Kooperation mit dem Arbeitskreis Stadterneuerung an deutschsprachigen Hochschulen am 10./11. Juni 2010 in Kassel veranstaltet. Ausgewählte Beiträge sollen anschließend im Jahrbuch Stadterneuerung 2010 veröffentlicht werden.

Hintergrund der Tagung

Der Arbeitskreis Stadterneuerung hat sich 1989 gegründet und ist vor allem durch sein seit 1990 jährlich herausgegebenes Jahrbuch Stadterneuerung bekannt. Dieses Jahrbuch behandelt in jeder Ausgabe einen Themenschwerpunkt. Die Tagung „Stadterneuerung und Festivalisierung“ im Juni 2010 bietet Ihnen Gelegenheit, Ihren Beitrag zu Diskussionen um Großereignisse in der Stadtpolitik und insbesondere in Bezug auf Stadterneuerung, Stadtumbau und Bestandsentwicklung vorzustellen und im Rahmen der Diskussion auf der Tagung weiterzuentwickeln, um diesen anschließend im Jahrbuch Stadterneuerung 2011 zu veröffentlichen.

Themenprofil

Festivals zu veranstalten, ist stadtpolitisch en vogue.Gerade hat Rio de Janeiro Anfang Oktober 2009 den Zuschlag zur Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 2016 bekommen. Rio de Janeiro, eine Stadt mit massiven stadtentwicklungspolitischen Herausforderungen, ergreift die Chance, internationale Aufmerksamkeit“ zu genießen und Mitspielerin im internationalen Städtewettbewerb zu werden – und vielleicht gegenüber São Paulo national Stärke zu demonstrieren. Durch Rios Nominierung flammt wieder einmal die Frage auf, welche Bedeutung Großereignisse wie die Spiele für die Stadtentwicklung in ihrer Vorbreitung, Durchführung und ihren Folgen insgesamt haben.
Nun ist es allerdings nicht sogleich die Ausrichtung von Olympischen Spielen, die so manch einen Stadtvater in hiesigen Landen in erster Linie begeistert und bewegt. Zu derartigen stadtentwicklungspolitischen „Ideen“ gehören weitere Großereignisse wie Kulturhauptstadtbewerbungen auf europäischer oder Bewerbungen um Bundesgartenschauen auf bundesdeutscher Ebene. Dass es Stadtpolitikern erst einmal gar nicht so sehr um das Festival an sich geht, sondern das Festival als strategisches Instrument der Stadtpolitik eingesetzt wird, ist kein großes Geheimnis mehr: In Zeiten des Strukturwandels hin zur tertiären Ökonomie hat sich der Zusammenhang zwischen Großereignissen und Stadtentwicklung vertieft, und Festivalisierung wird derzeit systematischer als vor einigen Jahrzehnten als Instrument der Stadtpolitik eingesetzt. Seit Walter Siebel 1992 in der Wochenzeitung „Die Zeit“ das Phänomen auf den Begriff „Festivalisierung der Politik“ brachte, ist das Phänomen fast durchgängig Gegenstand von Stadtforschung und Planungstheorie geblieben.
Geht es allerdings heute mehr denn je um Ressourcenschonung, die Verwendung knapper Haushaltmittel und die Frage, wie die Weiterentwicklung vorhandener baulicher, städtebaulicher, sozialer und ökonomischer Strukturen vor diesem Hintergrund qualitativ gestaltet werden kann, wird deutlich, dass die Veranstaltung von Großereignissen aus der Perspektive von Stadterneuerung und Stadterneuerungspolitik unterbelichtet ist. Wo Festivals als strategisches Instrument der Stadtpolitik nicht mehr wegzudenken sind, geht es um eine qualitative Verbesserung der Integration von Festivals nicht nur in den stadtpolitischen Alltag, sondern auch um die strategische Nutzung von Festivals für die Pflege und Weiterentwicklung des gesamten städtebaulichen Bestands. Dabei muss eine nachhaltige Aufrechterhaltung seiner Qualitäten für sämtliche Nutzer und Nutzerinnen das Ziel sein.
Hierzu werden zwar Fragen der Nachnutzung von in Anspruch genommenen Flächen und errichteten Bauten seit neustem des Öfteren zum Thema gemacht. Denn diese muss gesichert sein - ansonsten wird der Zuschlag für ein Großereignis gar nicht erst erteilt und die damit verbundenen Fördermittel fließen nicht. Aber inwiefern ist das ein erstes Anzeichen dafür, dass sich eine neue Qualität von Festivalstrategien durchsetzt und inwiefern tragen Großereignisse zur Stadterneuerung bei? Inwiefern haben sich die Qualitäts- und Erfolgskriterien im Verlauf der letzten Jahrzehnte verändert? Inwiefern halten Festivals ihr „Versprechen“, einerseits das städtische Wachstum zu stärken, andererseits aber auch bezüglich der ureigenen Aufgaben der Stadterneuerung, städtebauliche Missstände zu beseitigen, die Bausubstanz zu erhalten und die Stadtteile in ihren Funktionen zu stärken einen Beitrag zu leisten?
Tendenziell werden Festivals von der Politik geliebt und von der Stadtforschung aufgrund ihrer sozialräumlichen „Nebenwirkungen“ kritisch beäugt. Noch heute ist offen, wie berechtigt Zweifel an der „Politik der Festivalisierung“ und der „Festivalisierung der Politik“ sind. Denn in der Forschung sind noch viele Fragen offen, die sich nicht nur auf die Folgewirkungen beziehen, sondern bereits auf den Prozess von Vorbereitung und Durchführung eines Großereignisses. Drei thematische Schwerpunkte sollen auf der Tagung beleuchtet und nicht zuletzt auch an den Großereignissen und Festivals mit explizitem Stadterneuerungsbezug wie etwa den Internationalen Bauausstellungen näher untersucht werden:

 

1. Diskursiver und planerischer Prozess bis zum Festival aus politischer, städtebaulicher, sozialer Sicht – Debatte um Rahmenbedingungen und Ressourcen für ein gesamtstädtisch „erfolgreiches“ Großereignis (Vorbereitungsphase)

 

• Inwieweit sind Planungen von Festivals Teil einer Stadtentwicklung, die „als Bestand erhaltende und Funktionen stärkende Strategie“ definiert wird?

• Welche konkreten Ziele werden mit einem Großereignis verfolgt? Inwiefern wird im Vorfeld von Großereignissen „erneuert“ und „umgebaut“ (Wohnraum, Infrastruktur, öffentliche Räume)?

• Welche Rahmenbedingungen müssen erfüllt sein, damit ein gesamtstädtischer „Mehrwert“ geschaffen werden kann?

• In welchem Verhältnis stehen Aufwand und Nutzen und bleiben dabei Risiken und Nebenwirkungen beherrschbar?

•Werden durch Großereignisse der Stadterneuerung Ressourcen – finanziell, personell, materiell – gebunden, die dann für andere Aufgaben fehlen?

 

2. Stadtpolitische und planerische Herausforderungen bei der Durchführung von Festivals (Durchführungsphase)

 

• Welche Entwicklungsgeschichte zeichnet sich hinsichtlich der Qualitäts- und Erfolgskriterien von Festivals ab? Hat sich eine neue Qualität von Festivals durchgesetzt?

• Wie ist bei Festivals die Verteilung von Lasten und Mehrwert?

• Welche Aufmerksamkeit erreichen Festivals um welchen Preis?

 

3. Folgen von Festivals: Nach-/Umnutzung, zurück zum Alltagsgeschäft (Nachbereitung und Effekte)

 

• Inwiefern erweitern oder verengen Festivals langfristig die lokalen Handlungsspielräume und welche nachhaltigen Folgen haben sie für das Leben in den Quartieren und den sozialen Zusammenhalt?

• Wie „nachhaltig“ sind Festivals? Wie können sie „nachhaltiger“ gestaltet werden?

• Welche Merkmale müssen Nachnutzungen aufweisen, um eine gewisse „Stabilität“ zu erreichen?

• Welche Auswirkungen haben Festivals auf die Innenstadt und auf Quartiere (räumlich, sozialräumlich, wirtschaftlich, ökologisch)?

• Wie gehen Städte mit den Folgen um?

 

 

Adressaten/Art der Beiträge

Die Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern nimmt einen hohen Stellenwert im Arbeitskreis Stadterneuerung ein. Beiträge aus der Planungspraxis werden ausnahmsweise berücksichtigt, wenn sie in ihrem Ansatz deutlich über den praktischen Einzelfall hinausweisen und die Planungspraxis reflektiert wird.

Der Untersuchungsgegenstand sollte geeignet sein, die Problemwahrnehmung zu schärfen, die Fachdebatte anzuregen und Beiträge zur Verbesserung der Planungspraxis zu leisten, die für aktuelle Probleme der Stadterneuerung mögliche Lösungswege aufzeigen.

 

Tagungsort

Universität Kassel
Zentrum für Umweltbewusstes Bauen – ZUB
Gottschalkstraße 28a
34109 Kassel
Stadtplan unter http://www.zub-kassel.de/kontakt

Kontakt

Universität Kassel
Fachgebiet Stadterneuerung, Stadtumbau
– Stadterneuerungstagung 2010 –
Henschelstr. 2
34109 Kassel
» schimanski@asl.uni-kassel.de

Ansprechpartner für Rückfragen

Uwe Altrock, Tel. 0561/804-2371, altrock@asl.uni-kassel.de
Heike Hoffmann, Tel. 0561/804-2413, hhoffmann@asl.uni-kassel.de

Kosten

Die Teilnahmegebühr beträgt 40 Euro.
Die Teilnahme für Studierende, Erwerbslose und Rentner/innen ist kostenfrei. Ein entsprechender Nachweis ist bei Tagungsbeginn beizubringen.

Anmeldung

 

bis 21. Mai 2010 via E-mail oder per Fax an (Das Anmeldeformular finden Sie auf dem Website www.uni-kassel.de/fb6/ssu):


Universität Kassel
FG Stadterneuerung/Stadtumbau
Henschelstraße 2, 34109 Kassel
Fax: 0561-804 2390
E-mail: schimanski@asl.uni-kassel.de


Ansprechpartnerin für Rückfragen zur Anmeldung:
Gabriele Schimanski | T. 0561/804-2371 oder
schimanski@asl.uni-kassel.de

Jahrbuch Stadterneuerung 2010

Schwerpunkt „Infrastrukturen und Stadtumbau“

Das Jahrbuch Stadterneuerung 2010 beinhaltet in diesem Jahr den Schwerpunkt „Soziale und technische Infrastruktur im Wandel“. Die Rahmenbedingungen, der Stellenwert und der Zusammenhang von Infrastruktur und Stadterneuerung haben sich in den letzten Jahren gravierend verändert. Schrumpfende Städte, Rückbau, kommunale Haushaltsprobleme und der Niedergang sowie die Schließung von Einrichtungen, die in früheren Stadterneuerungsphasen mit öffentlichen Mittel gefördert wurden, machen eine Neubewertung und eine differenzierte Bestandsaufnahme erforderlich, um neueHerausforderungen zu refl ektieren. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels sind „bewährte“ Strukturen für Bemessung, Bau, Betrieb und Nutzung von Infrastrukturen im Kontext des Stadtumbaus in Frage gestellt. Neben diesem Schwerpunktthema werden Lehre und Forschung, theoretische und historische Aspekte der Stadterneuerung sowie auch neue Praxen im In- und Ausland in den Beiträgen thematisiert.

 

Jahrbuch Stadterneuerung 2010
Uwe Altrock, Ronald Kunze, Ursula von Petz, Dirk Schubert (Hrsg.): Schwerpunkt „Infrastrukturen und Stadtumbau. Jahrbuch Stadterneuerung 2010
Berlin 2010
ISBN 978-3-7983-2230-1
20,80 Euro

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